Informatiker steht mitten im Leben

Nicht nur Theorie und Technik: Informatiklehrertag zeigt neue Inhalte auf

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Freuten sich über das rege Interesse am Informatiklehrertag Bayern an der Universität Bayreuth:
Professor Dr. Jochen Koubek, Organisator Dr. Matthias Ehmann und der Vizepräsident für
Lehre und Studierende, Professor Dr. Stefan Jablonski (von links).

Guter Informatikunterricht beschränkt sich nicht auf Theorie und Technik. Guter Informatikunterricht hat mit dem Leben der Schüler zu tun: Diese Auffassung vertrat Professor Dr. Jochen Koubek, Professor für Digitale Medien an der Universität Bayreuth, in seinem Hauptvortrag anlässlich des Informatiklehrertags Bayern, der erstmals in Oberfranken an der Universität Bayreuth stattfand.

Schüler, sagt Koubek, haben wenig Scheu im Umgang mit Informatik und Neuen Medien. Sie produzieren, sie publizieren, sie laden herunter – und gar nicht so wenige verfügen über zumindest gute technische Kenntnisse. Um die Technik allein sollte es im Informatikunterricht also nicht gehen. „Es ist ja kein Selbstzweck, zu wissen, wie ein Computer funktioniert“, so der Professor für Digitale Medien. „Wir wollen Schüler vielmehr auf die Informationsgesellschaft vorbereiten“. Und deshalb gilt es, den Unterricht in Erfahrungshintergründe der Schüler einzubetten.

Diese Hintergründe sind vielfältig, der Kontext ist vieldimensional, wie Koubek am Beispiel des Cyber-Mobbings darlegte: An einer Mobbing- SMS ist technisch interessant, wer der Absender ist. Psychologisch, wie der Empfänger sie verkraftet. Soziologisch, wie Ausgrenzung stattfindet. Kulturell, in welcher Sprache sie formuliert ist. Juristisch, ob eine Beleidigung vorliegt. Und ethisch ob der Frage, wie viel Aggression in ihr steckt. Über Diskurse im Unterricht wird diese Vieldimensionalität deutlich, sagt Koubek.

Auf den Mangel an Studienanfänger im Fach Informatik, den alle Universitäten feststellen, wies der Professor Dr. Stefan Jablonski, Vizepräsident der Universität Bayreuth für Lehre und Studierende und Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Informatik IV, hin. Angesichts eines immensen Bedarfs an qualifizierten Informatikern stünden Universitäten und Schulen vor der gemeinsamen Aufgabe, das Image des Fachs deutlich zu verbessern. „Informatik ist eben nicht nur ein rein theoretisches Fach, wenn unsere Studenten Tele-Teaching-Systeme konzipieren oder animierte 3-D-Objekte durch den Raum fliegen lassen“, so Jablonski. Die Universität Bayreuth bietet im Bereich der Informatik die Studiengänge Angewandte Informatik und pünktlich zum doppelten Abiturjahrgang Computer Science an. Die Angewandte Informatik hat einen deutlichen Anwendungsbezug, Computer Science wird sich durch noch mehr Informatikanteile auszeichnen.

240 Lehrer aus ganz Bayern waren zu der zentralen Fortbildungsveranstaltung für Informatiklehrkräfte aller bayerischen Schularten gekommen. Die Veranstalter von der Didaktik der Informatik, die am Lehrstuhl für Mathematik und ihre Didaktik angesiedelt ist, sowie vom Zentrum zur Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts an der Universität Bayreuth zeigten sich erfreut über diese große Resonanz. Die Themen der Tagung, die 23 Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden umfasste, reichten von der Didaktik und Methodik der Oberstufeninformatik über freie Werkzeuge in der Systembetreuung und einen handlungsorientierten Zugang zum Themengebiet Rechnernetze bis hin zur Initiative für ein sauberes Internet an bayerischen Schulen und Praxisberichten aus der Ausbildung in den IT-Berufen.

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