Berufserfolg von MINT-Absolventinnen und Absolventen in den ersten fünf Jahren nach dem Studienabschluss

18.5.2009

Die Absolventinnen und Absolventen der Ingenieur- und Naturwissenschaften des Jahrgangs 2001 hatten nicht nur sehr gute Aussichten bei ihrem Übergang in den Beruf, sondern konnten sich anschließend bis zum Jahr 2007 auch gut beruflich etablieren. Dies zeigen neue Auswertungen des HIS-Absolventenpanels 2001, die jetzt unter dem Titel „Berufseinmündung und Erwerbstätigkeit in den Ingenieur- und Naturwissenschaften“ vorgelegt wurden.

Die Studie interessiert sich jedoch nicht nur für den Berufserfolg in den MINT-Fächern, sondern fragt auch danach, ob das Potenzial an akademisch ausgebildeten Fachkräften, bei denen zumindest mittel- und langfristig ein Engpass droht, hinreichend genutzt und ausgeschöpft wird.

Berufseinstieg und Berufsverlauf in den MINT-Fachrichtungen gestalten sich überwiegend positiv: Die allermeisten der Absolventinnen und Absolventen sind berufstätig, fast zwei Drittel verzeichnen einen schnellen und dauerhaften Übergang in Erwerbstätigkeit; weitere 20 Prozent haben sich akademisch weiterqualifiziert; nur etwa vier Prozent mussten in den ersten fünf Jahren nach dem Studium längere Phasen des Jobbens oder der Arbeitslosigkeit hinnehmen. MINT-Absolvent/inn/en sind vornehmlich in ihren Kernberufen tätig und damit auch qualifikationsangemessen beschäftigt; Wechsel in fachfremde Berufe oder in Managementpositionen sind in den ersten fünf Jahren selten. Immerhin etwa 40 Prozent haben bereits eine mittlere oder gehobene Leitungsposition eingenommen. Die MINT-Absolvent/inn/en erzielen im Vergleich mit ehemaligen Kommiliton/inn/en anderer Studienfachrichtungen überdurchschnittlich hohe Einkommen. In solch positiven Ergebnissen zeigt sich, dass der gerade in den MINT-Fächern relativ kleine Absolventenjahrgang 2001 – im Maschinenbau und der Elektrotechnik waren die Absolventenzahlen zwischen 1996 und 2001 um 47% zurückgegangen – auf eine in den ersten Berufsjahren anhaltend hohe Nachfrage nach MINT-Fachkräften in Deutschland traf. Auch die in der Studie dargestellten innerdeutschen Wanderungen weisen darauf hin: Die wirtschaftlich starken süddeutschen Länder ziehen viele der MINT-Absolvent/inn/en an, vor allem aus den neuen Ländern.

Ganz ungetrübt ist das Bild jedoch nicht. Zum einen gelten die positiven Befunde für einige Fachrichtungen wie die Biologie und das Bauingenieurwesen nicht uneingeschränkt. Zum anderen lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern finden. Frauen haben ein geringeres Einkommen, auch wenn sie die gleichen Fächer studiert haben wie ihre männlichen Kommilitonen und in den gleichen Tätigkeitsfeldern arbeiten; sie haben seltener Leitungspositionen erlangt und wenn doch, benötigten sie dafür mehr Zeit. Wenn Kinder zu betreuen sind, sind Frauen aus MINT-Fächern seltener erwerbstätig als ihre Kommilitonen oder sie arbeiten in Teilzeit. Nach temporärem Ausstieg drohen Frauen weitere berufliche Nachteile. Ein großes Potenzial an MINT-Fachkräften könnte auch unter Bedingungen des Fachkräftemangels verloren gehen, wenn es nicht gelingt, die in den gesuchten MINT-Fächern ausgebildeten Frauen langfristig als hochqualifizierte Fachkräfte zu halten. Sowohl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als auch der Abbau von geschlechtsspezifischen Benachteiligungen, etwa in der Bezahlung oder der Zuweisung von Leitungspositionen, könnten dazu beitragen, nicht nur die Potenziale der bereits ausgebildeten Fachkräfte zu erschließen, sondern das Interesse junger Frauen an MINT-Fächern zu steigern.

Auch die derzeitige Wirtschaftskrise kann sich nachteilig auf das Arbeitskräftepotenzial in den MINT-Fächern auswirken. Sollte es, wie zu Beginn der 1990er Jahre, im Verlauf der Krise zu einem Nachfrageeinbruch an Ingenieur/inn/en kommen, könnte sich dies wieder negativ auf die Studienanfängerzahl auswirken. Mittel- und langfristig wird außerdem die demographische Entwicklung das Angebot an jungen Fachkräften limitieren.

Download des Projektberichts Berufseinmündung und Erwerbstätigkeit in den Ingenieur- und Naturwissenschaften

Quelle: Pressemitteilung der Hochschul-Informations-System GmbH

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